2 Dinge die du über deinen Körper wissen solltest

2 Dinge die du über deinen Körper wissen solltest

Anpassung

Warum und wie Umwelt- und Trainingsreize funktionieren: Epigenetik

Evolution bedeutet für Zellen ständiges Anpassen an die Umweltbedingungen. Da du ein Haufen Zellen bist unterliegst du ebenfalls kontinuierlicher Anpassungen, auch wenn du diese kaum mitbekommst.

Wenn du den folgenden Text gelesen hast, wirst du ein grundlegend besseres Verständnis als so mancher Coach, Therapeut oder Arzt haben (im Ernst! jeder Orthopäde der dir ne Einlage verschreibt hat Anpassung nicht verstanden. Beziehungsweise, dass die Einlage keine angemessene Methode zukünftig erwünschter Anpassungserscheinungen darstellen kann.)

"Das ist genetisch bedingt"

…ist nur eine halbe Wahrheit. Nur 10% der 23.000 Gene, die in jedem Zellkern vorkommen sind tatsächlich aktiv. Welche Gene aktiviert bzw. abgeschaltet werden hängt maßgeblich vom Zusammenspiel unserer Handlungen und den Umweltreizen ab derer wir ausgesetzt sind. Wir nennen das Epigenetik (epi = über). 

Bei Epigenetik handelt es sich um Anpassungsverhalten von Zellen in Reaktion auf ihre Umweltbedingungen. Kurzer Hinweis: die Umweltbedingungen für die Zellen innerhalb deines Körpers ist deine Biochemie: Blut, Hormone, Neurotransmitter, Metabolite der Nahrungsmittel, die du zu dir genommen hast usw. 

 

Das liegt grob gesagt an zwei Dingen.

1) DNA ist nicht autoregulativ. 

Das bedeutet, dass DNA nicht willkürlich irgendwelche Genprodukte (Proteine) ausspuckt. Dafür braucht es einen Grund. Ein solcher Grund sind die Umweltreize einer Zelle.

DNA ist also wie eine Blaupause. Sie enthält biologische Baupläne für das Bauen von Proteinen. Das ist alles. Erst durch den von aussen signalisierten Bedarf wird eine bestimmte Anpassung forciert = Eine spezifische Antwort auf eine spezische Reizung.

2) „Membrain“ – Wie unsere Zellen wahrnehmen. 

Für das Wahrnehmen von Umweltreizen sind sogenannte Rezeptoren zuständig.

Sie empfangen ganz bestimmte Signale aus der Zellumgebung, denn sie funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip.

Stelle dir also eine Zelle vor wie einen Ball, dessen Haut besetzt ist mit vielen unterschiedlichen Antennen. Diese Antennen stellen das Nervensystem der Zelle dar: sie empfangen  und verarbeiten Informationen und leiten diese weiter. Im Falle einer Zelle wird das Signal ins Zellinnere weitergeleitet.

Wenn ein Rezeptor ein Signal empfängt und a) die Signalstärke und oder b) die Frequenz des Signals stark genug sind, wird dieses weiter bis zum Zellkern geleitet. Und so erfolgt wie oben in 1) beschrieben eine Anpassung auf äußere Signale.

Was du als Zellhaufen (dein Körper) an Anpassungserscheinungen hervorbringst liegt maßgeblich daran, welchen Umweltreizen du dich aussetzt. Das Aussetzen wiederum ist ein aktiver Prozess und Resultat deiner motorischen Handlungen, Gefühlen und Gedanken. 

"Use it or lose it" und das SAID-Prinzip

Die Mechanismen aus 1) und 2) begründen die biologischen Gesetzmäßigkeiten „use it or lose it“ und das SAID-Prinzip oder „Specific Adaptation On Imposed Demands“

Ergo:

  • Muskeln müssen wie Muskeln verwendet werden damit sie weiterhin Muskeln sein können.
  • Knochen müssen wie Knochen verwendet werden, damit Knochen weiterhin Knochen sein können.
  • Sehnen müssen wie Sehnen verwendet werden….. etc. pp.

Für verschiedene Gewebszellen gilt, dass sie spezifische Reize empfangen müssen, damit ihre jeweilige Struktur erhalten bleibt. Muskeln benötigen Spannung, Knochen benötigen Stauchung, Nerven benötigen Signalinputs, Faszie benötigt Elastizität usw. 

Für die Strukturelle Gesundheit deines Zellhaufens (deines Körpers) macht es daher durchaus Sinn, darauf zu achten, welchen Bewegungsformen (Hüpfer, Würfe, Stöße, Sprints usw.) du dich aussetzt und welchen nicht. Denn diese Bewegungsformen stellen spezifische Umweltreize dar.

Falls dein Training auf nachhaltige Gesundheit abzielt, macht es durchaus Sinn alle möglichen Zellen durch unterschiedliche Bewegungen entsprechend zu reizen.

PS:

Für die Mentale Gesundheit deines Zellhaufens macht es ebenfalls Sinn, sich Methoden zu widmen, die auf der Ebene epigenetischer Prozesse wirken (Connecting Link zum Beispiel ist eine solche Methode).

Mehr zu Epigenetik und Traumata findest du  hier.

Rezeptoren produzieren deine Identität

Jetzt wird es etwas philosopisch.

Wenn du den Gedanken weiterspinnst, dass deine Rezeptoren Grundsätzlich für Wahrnehmung verantwortlich sind, ergibt sich folgendes:

Informationen werden aus der Umwelt durch deine Rezeptoren in deinen Organismus gefiltertet. 

Diese gefilterten Informationen sind die Sinneseindrücke die deine Erlebnisse darstellen. Also die Geschichten die du erlebst. Diese Elebnisse sind das Fundament auf denen dein Gedächtnis und deine Identität gebildet werden. 

 

Gleichzeitig stellen die Rezeptoren die Limitation dar, welche Informationen du überhaupt aus deiner Umwelt wahrnehmen kannst!

Wie du wahrscheinlich weißt gibt es Umweltinformationen, die außerhalb deines Wahrnehmungsbereichs liegen (bestimmte Farben z.B.).

Rezeptoren filtern also Realität.

Das bedeutet:

deine Identität bildet sich aus einer Intepretation der Fragmente an Realität, die du (deine Zellgemeinschaft) wahrnehmen kannst.

Wenn deine Identität das Produkt aus den empfangenen Umweltinformationen darstellt, filtert dein Organismus quasi deine Identität von außen nach innen.

Konsequenterweise könnte man behaupten, dass deine Identität etwas externes ist. Also die Informationen in der Umwelt, die immer schon da waren und da sind und auch sein werden. 

nielsbaum